Niklas Grapatin         Portrait      Stories     Contact     News   

 





    

                                                                                                  





 





STERNBRÜCKE / Personal Project

Unter einer Eisenbahnbrücke in Hamburg zeigt sich  das Großstadtleben von seiner intensivsten Seite. Zwei Hauptverkehrsstraßen treffen hier aufeinander und auf der Kreuzung begegnen sich Anwohner, Pendler, Obdachlose und Partygäste. 

Das Rattern der Züge vermischt sich mit dem Straßenverkehr und in der Nacht mit dem Bass, der aus den Techno-Clubs in den Katakomben dröhnt. Die Sternbrücke scheint wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten und von der Modernisierung verschont. Tagsüber verliert sich der getriebene Passant in der anonymen Masse, ein Ziel vor Augen und introvertiert. Die vielen Reize scheinen zu überfordern und die Kreuzung nur zur Durchreise gedacht. In dem Mikrokosmos der Sternbrücke versuche ich dieser Rastlosigkeit entgegenzuwirken: Die Kamera wird zu einem Werkzeug, mi dem ich bewusster schaue und mich von den Reizen leiten lasse, anstatt sie auszublenden. Ich beginne meine Rolle als Stadtbewohne und Fotograf zu hinterfragen. Mit den Augen eines Flaneurs entdecke ich diesen altbekannten Ort neu. Mein Blick wird geschärft für das Alltägliche, welches in der Nacht in neuem Licht erscheint und an Bedeutung gewinnt: Gesprächsfetzen im Vorbeigehen, Geräusche, Spiegelungen, Blicke, Gerüche. Eindrücke, die mir vorher verborgen waren, werden durch Ruhe und Beobachtung relevant. Es entsteht eine Arbeit, die meine gewohnte Wahrnehmung durchbricht und eine neue Realität entstehen lässt.

Doch die faszinierende Unvollkommenheit der Sternbrücke ist bedroht: 2023 sollen die Bauarbeiten beginnen und die denkmalgeschützte Stahlkonstruktion durch eine neue Brücke ersetzt werden. Die Clubs in den Kasematten werden ausziehen  und der Bauwagenplatz seine Fläche räumen. Alles was die Identität dieses Ortes über Jahre geformt hat, wird auf einen Schlag verloren gehen.