Niklas Grapatin ist
ein Hamburger Fotograf
mit Fokus auf Portraits

SZ-Magazin 2025.
Deutschland.

BUNKER / Auszug

Nach Jahrzehnten des Friedens befindet sich der Krieg wieder in unserer unmittelbaren Nähe. Wie gehen wir als Gesellschaft mit dieser akuten Bedrohung um? In Deutschland existieren nur noch 579 öffentliche Schutzräume für insgesamt 477.593 Menschen - ein Bruchteil der Gesamtbevölkerung. Die sichtbaren Hochbunker haben sich im Laufe der Zeit auf vielfältige Weise in die städtische Umgebung eingefügt und dabei ihre Schutzfunktion verloren. Entfremdet von ihrem Ursprung werden sie zu ästhetischen Alltagsorten der Kunst und Kultur, des Sports, modernen Wohnens oder zu Touristenattraktionen. Der Krieg bleibt trotz seiner Nähe abstrakt für uns und die Bunker stehen wie ein Sinnbild für eine Gesellschaft im Spannungsfeld zwischen Offenheit und Abwehr.

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Luftschutzbunker in Herne

Hochbunker der Bauart Winkel in Herne neben einem Lidl-Supermarkt. Ehemals 168 Schutzplätze. Wird auch “Betonzigarre” oder “Zuckerhut” genannt. Das spitze Dach sollte geringere Angriffsfläche für Bomben bieten.

Bunker mit Halbmond und Kreuz auf dem Cranger Kirmesplatz in Herne. Kunstprojekt mit dem Titel "Migrations-Objekt".

Hochbunker in Nürnberg. Ehemals 1.000 - 1.500 Schutzplätze

Bunker der Bauart "Rundturm" in Hannover. Heute Übungsräume für Musiker.

Hochbunker in Gelsenkirchen. Heute befindet sich im Inneren eine Musikschule.

Bunker in Sande. Britische Besatzungstruppen versuchten ihn 1947 vergeblich zu sprengen, dadurch erhielt eine Schieflage von 18 Grad. Heute im Besitz des Deutschen Alpenvereins und zur Kletteranlage umfunktioniert.

Hochbunker in Hannover aus dem Jahr 1941, heute leerstehend. Die Turmkonstruktion diente nur zur Verschönerung des Bauwerks und hatte keine Funktion.

Bunker Bauart "Winkel" in Gelsenkirchen. Heute die größte Salzgrotte Deutschlands. Besucher können hier 45-minütiges Inhalieren buchen, die Wände und der Boden sind mit pakistanischem Salz bestreut und es gibt eine Sole-Ultraschall-Vernebelung.

Bunker in Bochum. Ehemals 582 Schutzplätze, bei Luftangriffen mit bis zu 3.000 Menschen belegt. Auf dem 22 Meter hohen Luftschutzbunker wurde ein 15-stöckiges Bürohochhaus errichtet.

Zugewachsener Hochbunker bei Düsseldorf. Ehemals 736 Schutzplätze.